Die 4 Motivationstendenzen

Motivationstypen beim Schreiben

Laut Autorin und Podcasterin Gretchen Rubin gibt es 4 Motivationstendenzen, in die fast jeder Mensch einsortiert werden kann. Das bedeutet, dass nicht jede Motivationstechnik auch für jeden geeignet ist – eine Erkenntnis, in der ich mich bestätigt fühle. Denn manchmal habe ich das Gefühl, dass alle guten Vorsätze, alle cleveren Strategien für andere vielleicht funktionieren mögen, aber ich schaffe es immer wieder, mich selbst zu sabotieren. Vielleicht liegt es an meiner Motivationstendenz? In der Hoffnung, das herauszufinden, habe ich mich weiter mit Gretchen Rubins These beschäftigt.

Die 4 Motivationstendenzen nach Gretchen Rubin

 

Der Einhalter (Upholder)

Jemand, der die Erwartungen anderer so wie auch seine eigenen erfüllt. Im Grunde ist das der Streber, der sich vornimmt, in einem Monat einen Roman zu schreiben und das dann auch einfach so tut. Weil er sich es vorgenommen hat. Der Neid aller anderen (besonders mir) ist ihm gewiss.

Der Hinterfrager (Questioner)

Jemand, der seine eigenen Erwartungen erfüllt, weil er davon überzeugt ist. Wenn andere Erwartungen an ihn haben, muss der Hinterfrager schon davon überzeugt sein – ansonsten fällt es ihm schwer, sich wirklich dahinterzuklemmen. Dies ist wahrscheinlich ein hervorragender Selfpublisher, der über alles die Kontrolle hat und selbst der Herr der Deadlines ist.

Der Verpflichtende (Obliger)

Das exakte Gegenteil vom Hinterfrager: Jemand, der alle Aufgaben pflichtbewusst erfüllt, wenn sie ihm zum Beispiel ein Vorgesetzter zugeteilt hat. Aber wenn er nach Feierabend nach Hause kommt und dann noch ein Stündchen am Manuskript schreiben will, fehlt ihm jede Verbindlichkeit. Stört ja keinen, wenn er es sein lässt (außer ihn selbst, aber das zählt nicht so richtig).

Der Rebell (Rebel)

Das ist der schlimmste Typ von allen! Und ich falle genau hier hinein!
Der Rebell fühlt sich niemandem verpflichtet, nicht einmal sich selbst, auch wenn er sich etwas wirklich fest vorgenommen hat. Das Wichtigste für ihn ist die Freiheit … die Freiheit, eben auch spontan zu sagen: Nö, ich mache jetzt was anderes. Ich wollte heute 4 Stunden konzentriert an dem Kundenprojekt arbeiten? Kann ich ja auch morgen noch tun. Täglich einen Liter Wasser trinken, eine Stunde schreiben oder an der Beach-Body-Challenge teilnehmen? Das klingt eine Woche lang gut, spätestens dann sagt die rebellische Stimme im Kopf aber: Pah, was soll passieren, wenn ich es nicht tue? Geht die Welt dann unter? Nö!

(Ich schreibe diesen Blogartikel übrigens, obwohl ich diese Zeit eigentlich für ein Korrektorat eines Kunden von mir geblockt hatte … Eindeutig ein Rebell!)

Der Motivationstendenzen-Test

Kannst du dich spontan einordnen? Gretchen Rubin bietet auf ihrer Seite einen kostenlosen Test an, der allerdings auf Englisch ist:

Gretchen Rubin’s Quiz: The Four Tendencies

Und es gibt auch ein passendes Buch dazu, ebenfalls auf Englisch: „Better Than Before: Mastering the Habits of Our Everyday Lives“ von Gretchen Rubin

Kleiner Tipp: Wenn du das Problem hast, dass du dich nicht regelmäßig zum Schreiben bewegen kannst, dann gehörst du wahrscheinlich in eine der beiden letzten Kategorien. Auf diese gehe ich daher im nächsten Abschnitt weiter ein, wie ich sie verstehe.

Die richtige Motivationstechnik für deine Tendenz

Sich als Rebell oder als Verpflichtender eine Gewohnheit anzueignen, die dich dem Ziel – wie zum Beispiel das Schreiben eines Romans – erfolgreich näherzubringen, ist keine leichte Sache. Wenn du dich in einem dieser beiden Typen wiederfindest, ist der erste Schritt zur Besserung schon die Erkenntnis: Es liegt daran, dass dir deine eigenen Erwartungen an dich selbst nicht so wichtig sind.

Das ist keine Entscheidung, die du irgendwann getroffen hast. Es hilft nicht, wenn du sagst: Okay, dann sind mir ab jetzt meine eigenen Erwartungen eben wichtig. Diese Einstellung gehört zu deiner Person, zu deinem Typ und du wirst sie nicht von heute auf morgen ändern können.

Wie geht man also am besten damit um?

Der Verpflichtende kann sich eine vertraute Person suchen, zum Beispiel einen Testleser, und mit ihr einen Deal machen. Und zwar soll sie den Boss mimen, der eine Deadline setzt. Bis Ende des Monats bekommt der Testleser die nächsten vier Kapitel, ansonsten weigert er sich, diese testzulesen. Die vertraute Person muss dabei natürlich streng (und ernstzunehmen) sein, sonst funktioniert es nicht. Außerdem will sie wahrscheinlich eine Gegenleistung dafür haben … das müsst ihr unter euch ausmachen. Auf diese Weise geht es für dich zumindest nicht mehr um deine eigenen Erwartungen, sondern auch um die eines Dritten.

Der Rebell muss sich damit abfinden, dass – egal was er für Pläne macht – er immer dazu neigen wird, sich darüber hinwegzusetzen. Das ist so und das ist okay, du bist trotzdem ein liebenswerter Mensch! Das Leben und das Schreiben sollen Spaß machen und den hast du nur, wenn du dir diese Freiheiten gönnst. Wenn du das nächste Mal einen rebellischen Anfall hast: Akzeptiere ihn, genieße ihn und koste ihn wenigstens voll aus. Mach etwas, das dir dann auch richtig Spaß macht, statt eine Stunde lang Clash of Clans zu spielen, nur weil dir das „etwas mehr“ Spaß macht als die eigentliche Tätigkeit. Aber mache dir auch immer wieder bewusst, warum du dir etwas vorgenommen hast. Was es dir bedeutet und welche Emotionen du damit verbindest. Schreibe das alles auf einen Zettel und hole ihn als Motivationsschub hervor, um dein rebellisches Wesen wieder auf den Pfad zu bringen.